Geschlechterrollen in Krisenzeiten

metallerin 18: Frauen und Kinder zuletzt?

(21.10.2020) Studien zeigen: Frauen tragen die Hauptlast der Corona-Krise, es droht eine Retraditionalisierung der Geschlechterverhältnisse. Das ist ein zentrales Thema der neuen Ausgabe der metallerin. Engagiertes Handeln ist gefragt: Frauen dürfen nicht zurückgeworfen werden!

Familie, Pflege, Homeoffice: Es sind die Frauen, die zurzeit mit Flexibilität und Verantwortungsbewusstsein das familiäre Leben am Laufen halten – viel zu oft auf eigene Kosten. Eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung zeigt: Während Väter das mobile Arbeiten nutzen, um mehr zu arbeiten, übernehmen Mütter die zusätzlichen Aufgaben von Kinderbetreuung und Homeschooling. Die alte Rollenverteilung greift.


Werden Frauen abgehängt?
Die Gefahr ist real: Wer weniger präsent ist, wird schneller übersehen – was sich wiederum negativ auf die Entgelt- und die berufliche Entwicklung auswirken kann. Stefanie Geyer vom Vorstand der IG Metall bringt es auf den Punkt: „Wir müssen jetzt darauf achten, dass Frauen nicht zu den Krisenverliererinnen werden. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass gleichstellungspolitische Aspekte bei den Konjunkturmaßnahmen bedacht werden.“ So könnte zum Beispiel staatliche Unterstützung an Frauenförderung geknüpft werden. Eine Frauenquote für die Führungs- und Vorstandsebene ist heute wichtiger denn je.

Eine weitere Folge der Krise: Die Gewalt gegen Frauen steigt.
Während des Lockdowns waren mehr als drei Prozent aller Frauen in Deutschland von häuslicher Gewalt betroffen – 975.000 Frauen. Auch wenn dieses Problem nicht im Betrieb zu lösen ist, kann hier Präventionsarbeit geleistet werden. Etwa durch eine Betriebsvereinbarung zum gleichberechtigten Verhalten am Arbeitsplatz, die Beschäftigte für das Thema sensibilisiert und bis ins private Umfeld wirken kann.

Den digitalen Raum nutzen
Übrigens: Das Ressort Frauen- und Gleichstellungspolitik der IG Metall bietet zurzeit viele virtuelle Veranstaltungen an, um mit den weiblichen Mitgliedern im Austausch zu bleiben. Auf diese Weise wurden sogar Frauen erreicht, die etwa durch Vereinbarkeitsprobleme weniger an realen Treffen teilnehmen können. Das mobile Arbeiten bietet auch Chancen. Es gilt, sie konsequent zu nutzen.

Diesen Artikel gibt es auch in der neuen Ausgabe der metallerin, die in verschiedenen Regionalausgaben erscheint.

metallerin 18: Ausgabe Emden als PDF
metallerin 18: Ausgabe Region Hamburg als PDF
metallerin 18: Ausgabe Kiel-Neumünster als PDF
metallerin 18: Ausgabe Oldenburg-Wilhelmshaven als PDF